Montag, 28 Juli 2025 11:17

Engagierter Lebensretter aus Bielefeld gestorben

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Einsatz für Leben bis zum Schluss Einsatz für Leben bis zum Schluss Foto: pixabay

Michael Korth, langjähriger Notarzt und engagierter Katastrophenhelfer, ist am 1. Juli 2025 im Alter von 68 Jahren an einer schweren Krankheit verstorben. Die Beisetzung erfolgte im engsten Familienkreis. Sein Tod bedeutet nicht nur einen großen Verlust für seine Angehörigen, sondern auch für die Rettungsdienste in Bielefeld und darüber hinaus. Die Spuren seines jahrzehntelangen Wirkens sind vielerorts sichtbar. Er hinterlässt ein einzigartiges Lebenswerk.

Inhaltsverzeichnis:

Einsatz bei der Loveparade-Katastrophe 2010 in Duisburg

Am 24. Juli 2010 war Michael Korth einer der ersten Notärzte vor Ort, als bei der Loveparade in Duisburg 21 Menschen starben und über 500 verletzt wurden. Die Panik entstand im Zugangstunnel zur Veranstaltungsfläche. Korth gelang es mit seinem Team, nur eine Person lebend aus dem Tunnel zu retten. Der Einsatz galt als hochriskant, da auch die Retter selbst gefährdet waren. Er handelte trotzdem sofort, wie er es immer getan hatte, wenn Menschen Hilfe brauchten.

Korth war nicht nur im Notfall aktiv, sondern auch in der Ausbildung von Rettungskräften. Seit 1991 leitete er die Rettungsdienstschule in Bielefeld. Die Einrichtung zählt heute zu den modernsten Ausbildungsstätten in Deutschland. Hier wurden Rettungsassistenten und später Notfallsanitäter aus ganz Ostwestfalen-Lippe geschult. Der Fokus lag stets auf Praxisnähe und hoher Qualität.

Zusammenarbeit zwischen Hilfsorganisationen in Bielefeld

Ein deutschlandweit einmaliges Projekt wurde durch seinen Einsatz möglich: die gemeinsame Rettungsdienst gGmbH von Deutschem Roten Kreuz, Arbeiter-Samariter-Bund und Johanniter-Unfall-Hilfe in Bielefeld. Korth fungierte als Vermittler zwischen den Organisationen. Er überzeugte sie, auf Konkurrenz zu verzichten und gemeinsam zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger zu handeln. Dieses Modell gilt bis heute als Vorbild für kooperatives Handeln im Rettungswesen.

Im Jahr 2007 wurde er für seine Verdienste mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Doch Auszeichnungen interessierten ihn weniger als konkrete Verbesserungen. In einem Interview aus Juni 2024 sagte er: „Ich gehe immer hin, wo ein Arzt gebraucht wird.“ Diese Haltung bestimmte sein gesamtes Berufsleben.

Letzter Einsatz und persönlicher Abschied im Juni 2024

Seinen letzten Notarztdienst leistete Michael Korth am 19. Juni 2024 am Evangelischen Klinikum Bethel – gemeinsam mit seiner Tochter, die ebenfalls als Notfallsanitäterin tätig ist. Es war ein emotionaler Moment. Kurz darauf ging er in den Ruhestand, wollte aber weiterhin privat helfen und punktuell einspringen, wenn Ärzte fehlten.

Er freute sich auf mehr Zeit mit der Familie, insbesondere mit seiner Enkeltochter. Doch nur ein Jahr später starb er an Krebs. Sein Tod kam für viele überraschend.

Lebensstationen und Engagement im Überblick

  • Geboren 1957 in Lübbecke
  • Mitglied in mehreren Hilfsorganisationen, darunter DRK, ASB und JHU
  • Oberarzt für Anästhesie, Notfall- und Intensivmedizin am Evangelischen Klinikum Bethel
  • Ärztlicher Leiter der Rettungsdienstschule in Bielefeld
  • Einsatzleiter bei Großschadenslagen, etwa bei der Loveparade 2010
  • Empfänger des Bundesverdienstkreuzes im Jahr 2007

Michael Korth war ein Mensch, der Verantwortung übernahm, wo andere zögerten. Sein Handeln rettete Leben, sein Wissen prägte Generationen von Notfallhelfern. Die Lücke, die er hinterlässt, ist nicht zu schließen.

Quelle: NW Bielefeld