Inhaltsverzeichnis
- Meret Cormann und frühe Erkrankung
- Coronapandemie und steigende Zahlen
- Stefanie Horndasch und klinische Einordnung
- Ausbau der Versorgung in Bielefeld
Meret Cormann und frühe Erkrankung
Seit 10 Jahren leidet Meret Cormann an einer Essstörung. Sie ist 24 Jahre alt. Die Erkrankung beginnt mit 14. Sie sagt "Ich wollte mich am Anfang einfach gesund ernähren, habe Sport gemacht und mehr auf das geachtet, was ich esse. Aber bin ich da nicht mehr rausgekommen". Heute lebt sie in einer intensivbetreuten Wohngruppe für junge Erwachsene in Bielefeld.
Die Ursachen liegen bei ihr nicht allein im äußeren Druck. "Ich glaube, dass viele denken, man sieht ein schlankes Model auf Social Media und entwickelt dann eine Essstörung. Aber so einfach ist es nicht", stellt sie klar. Probleme im Elternhaus wirken bei ihr als Auslöser. Diese Faktoren führen langfristig zur Erkrankung. Weitere regionale Entwicklungen aus dem Gesundheitsbereich finden sich hier.
Coronapandemie und steigende Zahlen
Essstörungen wie Magersucht, Ess-Brech-Sucht und Essattacken nehmen seit der Pandemie weiter zu. Zwischen 2019 und 2023 steigen die Fallzahlen um über 50 Prozent. Besonders auffällig ist die Altersentwicklung. Die Patientinnen sind zunehmend weiblich. Sie sind jünger.
Soziale Medien spielen eine Rolle. Sie verstärken bestehende Muster. Meret Cormann sagt dazu "Natürlich haben die mich darin bestärkt, abzunehmen. Einschlägige Accounts, auf denen man seine 'Erfolge' und das Abnehmen teilt. Aber da hatte ich die Essstörung schon". Die Erkrankung besteht also bereits vor der intensiven Nutzung solcher Inhalte.
Stefanie Horndasch und klinische Einordnung
Auch aus medizinischer Sicht zeigen sich mehrere Ursachen. Stefanie Horndasch, Klinikleiterin der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Evangelischen Klinikum Bethel, beschreibt ein komplexes Bild. Essstörungen treten häufig zusammen mit anderen Diagnosen auf. Dazu zählen Depressionen, Angststörungen und Zwangsstörungen.
Die Pandemie wirkt zusätzlich belastend. Der soziale Rückzug nimmt zu. Der digitale Vergleich steigt. Beides verstärkt bestehende psychische Probleme. Die Entwicklung zeigt sich in Kliniken deutlich. Ein breiterer gesellschaftlicher Kontext aus Ostwestfalen-Lippe ist mehr hier zu finden.
Ausbau der Versorgung in Bielefeld
Im Dezember erhält das Evangelische Klinikum Bethel eine Förderung in Millionenhöhe vom Land. Diese Mittel fließen in den Ausbau der Kinder- und Jugendpsychiatrie. "Wir müssen mehr ambulante Behandlungsmöglichkeiten anbieten, die niederschwellig sind. Kinder und Jugendliche warten im Schnitt 28 Wochen auf einen Therapieplatz, und das betrifft nicht nur die mit Essstörungen", erklärt Stefanie Horndasch.
Die Wartezeit belastet auch Familien. Eltern betreuen ihre Kinder oft monatelang allein. Neue ambulante Angebote sollen diesen Zeitraum verkürzen. Ziel ist ein früherer Zugang zur Therapie und eine Entlastung der Betroffenen.
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Quelle: WDR, EXTRATIMEOUT
FAQ
Warum nehmen Essstörungen seit der Coronapandemie zu?
Seit der Coronapandemie steigen die stationären Behandlungszahlen deutlich. Zwischen 2019 und 2023 erhöht sich die Zahl der Patientinnen um über 50 Prozent, unter anderem durch soziale Isolation und zusätzlichen psychischen Druck.
In welchem Alter beginnen Essstörungen häufig?
Die Erkrankungen beginnen zunehmend früher. Viele Betroffene erkranken bereits im Jugendalter, teilweise schon mit 14 Jahren.
Welche Rolle spielen soziale Medien bei Essstörungen?
Soziale Medien verstärken bestehende Essstörungen, etwa durch Inhalte zum Abnehmen oder zum Teilen von Gewichtsverlusten. Sie gelten jedoch nicht als alleiniger Auslöser.
Welche weiteren Erkrankungen treten häufig zusammen mit Essstörungen auf?
Essstörungen gehen oft mit anderen Diagnosen einher. Dazu zählen Depressionen, Angststörungen und Zwangsstörungen.
Wie lange warten Kinder und Jugendliche auf einen Therapieplatz?
Kinder und Jugendliche warten im Durchschnitt 28 Wochen auf einen Therapieplatz, unabhängig davon, ob sie an Essstörungen oder anderen psychischen Erkrankungen leiden.